Modellregion inklusive Bildung

Was passiert in der Modellregion, was an der Weißfrauenschule ? Was machen die "Mobilen Arbeitsplätze" und die "Jugendhilfe in der Grundschule" ?

Entwicklungen in der Modellregion (Stand April 2016)

Bereits seit September 2015 sind in den Bildungsregionen Süd und West die beiden Regionalkoordinatorinnen des Stadtschulamtes tätig. Sie arbeiten vom Stadtschulamt aus und sind an zwei Tagen pro Woche in ihren jeweiligen Büros im Beratungs- und Förderzentrum (BFZ) Frankfurt-Süd in Sachsenhausen und im BFZ Frankfurt-West in Unterliederbach aktiv. Ihre Aufgabe ist es, die kommunalen Bildungs- und Unterstützungsangebote zu sichten, Kontakte aufzubauen, Bedarfe zu erkennen und mit dem schulischen Bereich zu verknüpfen. Hier arbeiten sie eng mit den jeweiligen BFZ-Leitungen zusammen. Zur Zeit werden die regionalen Dialogveranstaltungen vorbereitet.

Wie geplant, sind an der Karl-Oppermann-Schule und an der Wallschule zum Schuljahr 2015/16 keine neuen Förderschülerinnen und Förderschüler in der Jahrgangsstufe 1 aufgenommen worden. Beide Förderschulen „Lernen“ haben somit mit ihrer Umwandlung begonnen (Formal haben sie mit der "Aufhebung" als Förderschule begonnen).

Außerdem ist die Umwandlung der Mittel- und Hauptstufe der Förderschule Weißfrauenschule in eine integrierte Gesamtschule im Gange – ein provisorischer Standort auf dem Riedberg für das Schuljahr 2017/18 ist bereits gefunden und auch die dazu gehörige Projektplanungsgruppe beginnt mit ihrer Arbeit.

Die Projektgruppe „Mobile Arbeitsplätze für regionale Beratungs- und Förderzentren“ hat ein Einführungs- und Ausbaukonzept vorgelegt. Es beschreibt die zukünftige IT-Ausstattung mit Hard- und Software für die BFZ-Lehrkräfte sowie den Raumbedarf für die Beratungs- und Fördertätigkeit an den allgemeinen Schulen. Die Umsetzung des Konzepts ist für das Schuljahr 2016/17 vorgesehen.

Das Programm „Jugendhilfe in Grundschule“ ist gestartet. Mit der Durchführung in der Bildungsregion West ist die Caritas beauftragt. Gemäß der Kooperationsvereinbarung folgt dieses Jugendhilfeprogramm den sonderpädagogischen Lehrkräften in die allgemeine Schule. An der Henri-Dunant-Schule und der Adolf-Reichwein-Schule ist ein dauerhaftes Angebot eingeführt. Zudem können sich interessierte Grundschulen der Region für ein modulares Angebot bewerben, um inklusive Entwicklungsanliegen an ihren Schulen zu unterstützen. In der Bildungsregion Süd ist an fünf Grundschulen ein Übergangsangebot angelaufen. Diese sozialpädagogischen Gruppenangebote sollen
das soziale Miteinander und das Klassengefüge stärken sowie die Akzeptanz von Vielfältigkeit und Heterogenität fördern. Mit der Durchführung ist der Internationale Bund beauftragt.

Kurzdokumentation der Auftaktveranstaltung Modellregion Inklusive Bildung Frankfurt am Main am 29. September 2015, Saalbau Nied

Das Interesse war groß: Mehr als 250 Akteurinnen und Akteure aus Schule, Vereinen, Verbänden und Stiftungen, Eltern- und Schülerschaft, Stadtverwaltung als auch Politik waren in den Saalbau Nied gekommen, um den Auftakt für die Modellregion Inklusive Bildung mit zu verfolgen und sich über die geplanten Entwicklungsvorhaben zu informieren.
In seinem Grußwort stellte der Hessische Kultusminister Prof. Dr. Alexander Lorz zunächst fest: „Inklusion ist ein gesamtgesellschaftlicher Auftrag, dessen Bewältigung nur dann gelingen kann, wenn es eine gute und vor allem enge Zusammenarbeit aller gibt, die an der Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Beeinträchtigungen oder Behinderungen beteiligt sind.“ Er bedankte sich bei allen beteiligten Akteurinnen und Akteuren, dass sie so reibungslos zusammengearbeitet haben und den Start der Modellregion zum Schuljahr 2015/2016 ermöglicht haben. In Frankfurt könne man auf eine gewachsene Struktur mit exzellenten Erfahrungen zurückgreifen. Auch die erarbeitete Gesamtkonzeption belege das erfolgreiche Zusammenwirken. Mit der Modellregion Inklusive Bildung erhielten die Eltern die Gewissheit, dass ein inklusives Schulangebot für ihr Kind in allen Förderschwerpunkten Schritt für Schritt entwickelt und nach Möglichkeit wohnortnah angeboten wird. Wichtig sei es dabei, dass mit Eltern, Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern, Schulleiterinnen und Schulleitern, Schulträger und außerschulischen Partnern alle Beteiligten eingebunden sind. „Wir als Land gewährleisten die Anzahl der Stellen für sonderpädagogische Förderung im Förderschwerpunkt Lernen und in der Sprachheilförderung in der Modellregion und passen sie an steigende Schülerzahlen in Frankfurt an. Aber und das ist mir auch sehr wichtig: In allen Förderschwerpunkten wird ein passendes Förderschulangebot erhalten bleiben“, so Kultusminister Lorz abschließend.

„Inklusion ist an unseren Schulen längst Realität. Inzwischen entscheiden sich über 50% der Eltern von Kindern mit Anspruch auf sonderpädagogische Förderung für eine Regelschule. Die Modellregion macht es jetzt möglich, dass die Kinder mit besonderem Förderbedarf an unseren Regelschulen besser betreut und gefördert werden können“, betonte Stadträtin Sarah Sorge, Dezernentin für Bildung und Frauen, in ihrem Grußwort. Im Rahmen der Modellregion werden Stellen von Förderschullehrkräften an allgemeine Schulen verlagert, um dort die inklusive Beschulung zu ermöglichen. Konkret bedeutet dies in Frankfurt, dass zwei Förderschulen für Kinder im Förderschwerpunkt Lernen – die Karl-Oppermann-Schule in Unterliederbach und die Wallschule in Sachsenhausen – schrittweise aufgelöst werden und sich zu reinen sonderpädagogischen Beratungs- und Förderzentren weiter entwickeln. Zudem wird die Mittel- und Hauptstufe der Weißfrauenschule, eine Förderschule im Förderschwerpunkt Sprachheilförderung, nach und nach in eine Integrierte Gesamtschule mit den Profilen Spracheilförderung und Berufsorientierung umgewandelt. Die Grundstufe der Weißfrauenschule bleibt als Förderschule erhalten. „Ohne die Vereinbarung mit dem Land im Rahmen der Modellregion hätten wir keine Möglichkeit gehabt, mehr Förderschullehrerstellen an unsere Regelschulen zu bekommen. Zudem wird das starke Wachstum Frankfurts in der Vereinbarung besonders berücksichtigt“, zeigte die Bildungsdezernentin auf. Durch die Modellregion werde die Tür in Richtung Inklusion weiter geöffnet. Denn die gemeinsame Beschulung bringe nicht nur den Kindern mit Anspruch auf sonderpädagogische Förderung etwas, sondern auch ihren Mitschülerinnen und Mitschülern, und damit langfristig eine Veränderung der Schullandschaft. Dazu müsse es auch noch bauliche und sächliche Veränderungen an den Schulen geben, so Sorge abschließend.

Auch der Bildungsexperte Wilfried Steinert wies in seinen Fachvortrag zunächst darauf hin, dass Inklusion die gesamte Gesellschaft betreffe und dass es Aufgabe der Gesellschaft sei, in allen Lebensbereichen Strukturen zu schaffen, um sich darin barrierefrei zu bewegen. Für den Schulbereich bedeute dies, das segregierende Schulsystem zu überwinden und zur inklusiven Bildung für alle zu gelangen. Es gelte diesen Wandel bewusst und planvoll zu gestalten. Damit ein Kind in der Schule die optimalen Lernbedingungen erhält, müssten entsprechende Rahmenbedingungen geschaffen werden. Wichtig sei auch, dass keine sogenannten „Resteschulen“ entstünden und Schülerinnen und Schüler mit besonderen Förderbedarfen durchaus ihresgleichen brauchen, etwa wenn es um Gebärdensprache gehe. Für sinnvoll hält Steinert ein pädagogisches Unterstützungs- und Beratungszentrum. Also einen zentralen Ort zur Sicherung der Fachkompetenz, an dem Raum ist für Diagnostik, Beratung und Prävention aber auch für temporäre Lerngruppen sowie für eine Material- und Medienstelle. Ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zur Inklusion sei die Einrichtung einer Ombudsstelle, an die sich Betroffene bei Problemen wenden können. Zudem sei entscheidend, dass multiprofessionelles Arbeiten in der Schule möglich wird. Dies sollte zum Beispiel über die Bildung von Jahrgangsteams, die Zusammenarbeit zwischen Regel- und Förderschullehrkräften, ein Coaching für Schulleiterinnen und Schulleiter, die Neubestimmung der Arbeitszeit in der Schule als auch über eine bessere Einbindung von Integrationsassistenzen entwickelt werden.

Eine stimmungsvolle Gesangseinlage bot der Schulchor der August-Gräser-Schule, der mit drei Liedbeiträgen alle im Saalbau Nied begeisterte und zum Mitsingen animierte.

Beim Markt der Möglichkeiten konnten die Teilnehmenden an verschiedenen Informations- und Aktionsständen mit Expertinnen und Experten ins Gespräch kommen, Unterrichtsmaterialien kennenlernen und auch eingesetzte Hilfsmittel, wie zum Beispiel Sprachcomputer, selbst ausprobieren. Großes Interesse fanden die vorgestellten Qualifizierungsmöglichkeiten und die sonderpädagogischen Beratungsangebote auf kommunaler und Landesebene für Lehrerinnen und Lehrer. Wie Inklusion in der schulischen Praxis gelebt wird und wie die Zusammenarbeit mit den regionalen Beratungs- und Förderzentren funktioniert, zeigten einige Frankfurter Schulen aus der ehemaligen Pilotregion Süd, dem Verbund Nord und der Bildungsregion West. Zudem skizzierten Vertreterinnen und Vertreter des Staatlichen Schulamtes und des Stadtschulamtes die Gesamtkonzeption der Modellregion und gingen auf Nachfragen ein.

Die aktuellen Bedarfe und Herausforderungen im Bereich Fortbildung und Inklusion wurden bei einem Podiumsinterview weiter erörtert. Zwei Schulleiterinnen einer Grund- und einer weiterführenden Schule sowie Vertreterinnen und Vertreter der Hessischen Lehrkräfteakademie, des Projektbüros für förder- und kompetenzorientierten Unterricht im Hessischen Kultusministerium (HKM), des Staatlichen Schulamtes, des Stadtschulamtes, der Arbeitsstelle für Diversität und Unterrichtsentwicklung an der Goethe-Universität trugen ihre Einschätzungen vor und skizzierten die nächsten Entwicklungsschritte. Die Fragen stellte Frau König vom Projektbüro Inklusion im HKM.

Während der Auftaktveranstaltung bestand die Möglichkeit, Anregungen und Wünsche für Fortbildungen und Qualifizierungen sowie allgemein zur inklusiven Beschulung zu äußern. Die getroffen Aussagen wurden thematisch geordnet, in einer Gesamtschau zusammengefasst.

 

Auszug aus dem SEP

Maßnahmen aus dem Gestaltungsfeld 6 konzentrieren sich auf die Umsetzung der Inklusion. In einem inklusiven Schulsystem wird die Herausforderung des gemeinsamen Lebens und Lernens von jungen Menschen mit und ohne Behinderungen selbstverständlich angenommen. Die unterschiedlichen Bedürfnisse aller Lernenden stehen im Mittelpunkt, diese Herangehensweise verändert Schule ganz elementar. Alle Beteiligten des Prozesses Frankfurt macht Schule waren sich in dieser Einschätzung einig. Inklusion heißt in erster Linie: ein positiver Umgang mit Heterogenität.
Schülerinnen und Schüler sollen in ihrer individuellen Unterschiedlichkeit, in ihren Bedürfnissen und Potentialen erkannt und entsprechend gefördert werden. Hürden für die gemeinsame Beschulung auf Grund individueller Besonderheiten sollen weitestgehend abgebaut werden. Das betrifft Kinder und Jugendliche mit körperlichen oder geistigen Behinderungen genauso wie hochbegabte Schülerinnen und Schüler, Kinder und Jugendliche in familiären Krisen, mit Migrationshintergrund, mit Deutsch als Zweitsprache und andere. Ein genauer Blick auf den einzelnen Menschen zeigt: jedes Kind hat besondere Fähigkeiten, jedes Kind hat spezielle Bedürfnisse, viele Kinder benötigen gezielte Unterstützung und Förderung. Dieser Vielfalt muss Schule gerecht werden, heute mehr denn je.
Die Maßnahmenvorschläge sind Ergebnis des Beteiligungsprozesses und haben die Eckpunkte der Kooperationsvereinbarung mit dem Hessischen Kultusministerium entscheidend geprägt.
Als Modellregion Inklusive Schulentwicklung des Landes Hessen nehmen diese Maßnahmen nun einen priorisierten Platz in der Umsetzungsplanung des SEP ein.

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