Nicht über sondern mit uns!

Armira strahlt vor Begeisterung. „Das hat Spaß gemacht!“ sagt die 5-jährige am Ende des Rundgangs. Sie ist gerne draußen an der frischen Luft. Da kann sie von Bein zu Bein hüpfen, auf Mauern balancieren und einfach drauf losrennen. „Aber nur so weit laufen, dass ich euch noch sehen kann!“ ruft ihre Erzieherin Monika ihr und den anderen Kindern hinterher. Fast zwei Stunden ist die „Blaue Gruppe“ heute unterwegs, um den Stadtteil zu erkunden und um Fotos zu machen. Und zwar von Dingen, die die Kinder gut oder schlecht - also aus bestimmten Gründen wichtig finden.

Was das sein könnte, darüber haben die Kinder schon im Morgenkreis gesprochen. „Habt ihr schon Ideen, wo ihr hingehen wollt und was ihr fotografieren möchtet? fragt Monika in die Runde. Nun darf sich jeder äußern und eine Idee einbringen. Monika hört einfach zu und fragt nur nach, wenn ihr etwas unklar ist. Deutlich wird: alle haben was zu sagen. Doch eine Meinung? Was heißt das eigentlich eine Meinung zu haben?

Was so abstrakt für die Kinder klingt - „eine Meinung haben“ - wird durch die praktische Erfahrung beim Rundgang deutlich greifbarer. Emir fotografiert Müll auf seinem Lieblingsspielplatz und beschwert sich: „Der Boden ist kein Mülleimer“. Ismael sieht eine kleine Blume im Grünstreifen und stellt fest „es wäre schön, wenn hier mehr Blumen wären.“ Andere Kinder stimmen zu und Monika merkt an: mehrere Kinder können einer Meinung sein oder unterschiedliche Meinungen haben.

Nach dem Rundgang sind alle ganz schön geschafft und die Aufmerksamkeit lässt langsam nach. Lasst uns noch kurz die Fotos anschauen, bittet Monika die Kinder. Jeder darf nochmal zu „seinem“ Foto erzählen was wichtig ist. „Die Fotocollage machen wir doch lieber morgen“, ändert Monika ihren Plan. Für heute ist Schluss.

Wie die Kita-Kinder aus Preungesheim, haben sich auch rund 350 weitere Kinder und Jugendliche aus Frankfurt in ihren pädagogischen Einrichtungen an Werkräumen beteiligt. Umgesetzt werden die Werkräume durch die Akteurinnen und Akteure vor Ort. Ziel der Werkräume ist es, einen geeigneten Rahmen zu schaffen, damit sich Kinder mit ihren Bedürfnissen selbstständig einbringen können. Thematisch befassen sie sich mit selbst ausgewählten Fragestellungen und Inhalten der vier stattfindenden Themenwerkräume: Partizipation, Eltern sind ein Gewinn, Übergänge - Bildungswege sind individuell, Quartier.

Die Ergebnisse der Kinder- und Jugendwerkräume fließen ein in den Dialogprozess 2022 zur „Integrierten Bildungsplanung Kindertagesbetreuung und Schule“. Erstmals präsentiert werden sie im Konzeptwerkraum am 01.11.2022.

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Im Dialogprozess 2022 zur „Integrierten Bildungsplanung Kindertagesbetreuung und Schule“ werden drängende Themen der nächsten zehn Jahre für die Bildungs- und Betreuungslandschaft in den Blick genommen. Dabei werden die Perspektiven, Meinungen und Sichtweisen der Kinder und Jugendlichen im Rahmen von dezentralen Kinder- und Jugendwerkräumen einbezogen

Ziel der dezentralen Kinder- und Jugendwerkräume ist es, mit Kindern und Jugendlichen zu den in der Auftaktphase des Dialogprozesses benannten drängenden Themen im Bereich Bildung, Erziehung und Betreuung zu arbeiten. Dazu sollen ihre Ideen, Wünsche, Fragen, Problembenennungen eingeholt und mögliche Lösungsansätze mit ihnen entwickelt werden.
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* Die Namen wurden zum Schutz der Privatsphäre durch Pseudonyme ersetzt.

Info: 
13.10.22